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Bayern · Wachsende Region

München

München 2030 - Visionen und Strategien für Stadt und Region

München - Forschungsverbund Stadt 2030
Illustration mit KI auf Basis einer redaktionellen Vorgabe erstellt. Wahrzeichen sind erkennbar, das Bild ist keine dokumentarische Aufnahme.
Bundesland
Bayern
Stadtgröße
Großstadt
Schwerpunkt
Wachsende Metropole, Stadt-Land-Verflechtung, langfristige Strategieentwicklung
Verbundpartner
Referat für Stadtplanung und Bauordnung (Klaus Illigmann)
Federführend
Referat für Stadtplanung und Bauordnung
Laufzeit
2001 bis 2005

Worum es ging

München wächst - und die politische Steuerung muss Tagespolitik und Langfristplanung gleichzeitig bedienen. Der Verbund fragte, wie aus Visionen verbindliche planerische Schritte werden. Bis heute heißt das Ergebnis "Perspektive München".

Das BMBF-Verbundprojekt „Zukunft München 2030 – Visionen und Strategien für Stadt und Region” war im Forschungsverbund das einzige Großstadtprojekt unter dem Typus der „wachsenden Stadt”, das die regionale Perspektive explizit zur methodischen Grundlage machte und die Kernstadt vollständig in den Kontext eines Agglomerationsraums mit acht Landkreisen und 185 Gemeinden stellte. Es war damit bundesweit einzigartig in seiner konsequenten Regionalisierung des Forschungsrahmens sowie in der Tiefe seiner gesellschaftstheoretischen Fragestellung.

Fragestellung, Leitbild und Akteure

Die Kernfrage des Projekts lautete: Wie lässt sich der wirtschaftliche Erfolg der Stadtregion München im Sinne nachhaltiger Entwicklung sichern – verbunden mit sozialem Frieden und kultureller Kompetenz – und wie können Optionen für neuartige Entwicklungen offengehalten werden, statt im einmal eingeschlagenen Wachstumskorridor zu verbleiben? Das Leitthema fasste das Verbundprojekt unter der Formel „Autonomie und integrative Stadtgesellschaft” zusammen; die drei strategischen Zukunftsfelder waren „Integration und Segregation”, „Wissen und Kreativität” sowie „Mobilität und Kommunikation”. Federführend war das Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Landeshauptstadt München unter Stephan Reiß-Schmidt und Klaus Illigmann; wissenschaftliche Partner waren das IMU Institut für Medienforschung und Urbanistik GmbH München (Dr. Detlev Sträter), das ISW Institut für Städtebau und Wohnungswesen der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (Dr. Andreas Romero) sowie der Lehrstuhl für Stadtraum und Stadtentwicklung der Technischen Universität München (Prof. Dr. Ingrid Krau). Beteiligt waren zudem Referat für Arbeit und Wirtschaft und Sozialreferat der Landeshauptstadt.

Beteiligungsformate und Besonderheiten

Das Projekt arbeitete mit einem mehrstufigen Dialogprozess: einer Auftaktveranstaltung im Oktober 2001 im SiemensForum mit über 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, sechs Quartiersforen in den Stadtbezirken Aubing, Hadern und Maxvorstadt, zwei Regionalforen „Region München 2030” gemeinsam mit dem Regionalen Planungsverband sowie mehreren thematischen Workshops zu kommunaler Sozialpolitik und zur Zukunft der Arbeit. Die Abschlussveranstaltung am 16. Oktober 2003 im Alten Rathaussaal fand mit über 350 Besuchern und prominenter Besetzung große öffentliche Resonanz. Gegenüber allen anderen Stadt-2030-Verbünden zeichnete sich das Münchner Projekt dadurch aus, dass es drei wirtschaftlich divergierende Szenarien – Wachstum, Stagnation und Regression – gleichrangig entwickelte und gesellschaftliche Risiken explizit auch für eine prosperierende Wachstumsregion formulierte: der Erfolg Münchens, so die zentrale Gegenwartsdiagnose, tendiere dazu, seine eigenen Voraussetzungen zu untergraben und Kreativitäts- und Innovationspotenziale außerhalb des Mainstreams auszugrenzen.

Konkrete Umsetzung und institutionelle Nachwirkungen

Das Verbundprojekt war nicht als Planungsinstrument im engeren Sinne konzipiert, sondern als strategisches Lern- und Dialogformat. Seine wichtigste institutionelle Nachwirkung ist die fortlaufende Fortschreibung des 1998 vom Stadtrat beschlossenen Stadtentwicklungskonzepts PERSPEKTIVE MÜNCHEN, das das Projekt ausdrücklich überprüfte und mit langfristigen Szenarien unterlegte. Die jüngste Fortschreibung aus dem Jahr 2021 firmiert unter dem Leitmotiv „Stadt im Gleichgewicht” und integriert vier strategische Leitlinien; ein Fachbeirat nahm 2022 seine Arbeit auf. Das Stadtentwicklungskonzept wird derzeit durch den neuen Stadtentwicklungsplan 2040 ergänzt, der Freiraum, Mobilität, Siedlungsentwicklung und Wirtschaft sowie Klimawandel und regionale Zusammenarbeit als Handlungsfelder integriert. Im Bereich Mobilität führt die 2019 vom Münchner Stadtrat beschlossene Modellstadt 2030 – ein BMBF-gefördertes Zukunftsstadtprojekt zu urbaner Mobilität – die methodische und inhaltliche Tradition des Stadt-2030-Verbunds in der nächsten Fördergeneration fort.

Bevölkerungsentwicklung 2005 bis 2024

München wuchs weit über alle Prognosen des Verbundprojekts hinaus: Das Projekt hatte für 2015 nur einen geringfügigen Anstieg auf 1,423 Millionen Einwohner erwartet. Tatsächlich lebten Ende 2005 bereits 1.259.677 Personen in München, Ende 2015 waren es 1.340.514 und Ende 2020 – trotz Corona-bedingtem Einwohnerrückgang – 1.344.861. Der aktuelle Demografiebericht 2025 der Landeshauptstadt weist Ende 2024 eine Einwohnerzahl von 1,604 Millionen aus; die Planungsprognose erwartet, dass München 2034 die 1,7-Millionenmarke überschreiten und 2045 bei 1,830 Millionen liegen wird. Das Durchschnittsalter steigt trotz des Bevölkerungswachstums, das fast vollständig durch internationale Zuwanderung gespeist wird: Der Ausländeranteil wuchs von 23 Prozent im Jahr 2001 auf heute über 30 Prozent; der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund liegt noch deutlich höher.

Aktuelle Probleme: Was der Verbund vorwegnahm

Das Verbundprojekt hat drei Problemkomplexe der heutigen Münchner Stadtentwicklung präzise vorhergesagt: erstens die soziale Polarisierung durch wachsenden Einkommensabstand zwischen arm und reich, die sich unter Wachstumsbedingungen verschärft statt mildert; zweitens die Frage des sozialen Zusammenhalts in einer Stadt mit stark steigendem Ausländeranteil und zunehmend transnationalen Migrationsmustern; drittens die Notwendigkeit einer neuen Mobilitätskultur in einem von Überbelastung geprägten Agglomerationsraum. Die Sorge des Verbundprojekts, dass die Kehrseite der Konsenspolitik in der Ausgrenzung von Kreativitätspotenzial bestehe, findet ihre heutige Entsprechung in der Debatte über fehlende Baulandmobilisierung und überbordende Planungsvorschriften.

Nicht antizipierte Herausforderungen

Nicht antizipiert wurden das Ausmaß der Wohnungsbaukrise: Im laufenden Jahr 2025 wurden in München zwischen Januar und Oktober nur noch rund 4.000 neue Wohneinheiten genehmigt – 28 Prozent weniger als im bereits schwachen Vorjahr und 55 Prozent unter dem Zehn-Jahresmittel 2015–2024. Klimawandel und Hitzeinseln in der dicht bebauten Stadtregion, Fachkräftemangel als strukturelles Wachstumshemmnis sowie die Transformationsnotwendigkeit der automobilen Wirtschaft (BMW, MAN) wurden im Verbund inhaltlich nicht behandelt. Auch der systemische Druck auf die kommunalen Finanzen durch sinkende Gewerbesteuereinnahmen in wirtschaftlich schwierigen Jahren – und die Konsequenzen für soziale Infrastruktur – überstieg den Analysehorizont des Projekts erheblich.

Wichtigste Quellen