Forschungsverbund Stadt 2030 · Archiv und Wissensportal Bibliographie · Impressum · Datenschutz
Archiv - Wissenschaftliche Beratungsgremien

Nachhaltigkeitsbeirat Baden-Württemberg (NBBW), 2002 bis 2012

Der Nachhaltigkeitsbeirat der Landesregierung Baden-Württemberg war das erste wissenschaftliche Beratungsgremium eines deutschen Bundeslandes zu Fragen einer nachhaltigen Entwicklung. Zwischen 2002 und 2012 legte er in vier Berufungsperioden zahlreiche Gutachten vor, darunter zwei Statusberichte zum Umweltplan Baden-Württemberg. 2012 ging seine Rolle in einem breiter aufgestellten Nachfolge-Beirat auf.

Auftrag und Zusammensetzung

Die Landesregierung berief den Beirat am 24. April 2002 ein. Die konstituierende Sitzung fand am 11. Juli 2002 in Stuttgart statt. Der Beirat war als unabhängiges Gremium mit neun, später elf Mitgliedern angelegt. Berufen wurden Personen aus der Wissenschaft mit ausgewiesener Expertise in Umwelt-, Wirtschafts-, Sozial- und Raumforschung.

Der Auftrag umfasste vier Aufgabenbereiche. Der Beirat sollte die Landesregierung zu Fragen der nachhaltigen Entwicklung wissenschaftlich beraten, in eigener Zuständigkeit Gutachten zu ausgewählten Themen erstellen, die Umsetzung des Umweltplans Baden-Württemberg begleiten und umweltpolitische Fehlentwicklungen benennen. Als ständige Aufgabe kam die begleitende Stellungnahme zur Nachhaltigkeitsstrategie des Landes hinzu.

Berufungsperioden und Themen

In vier Berufungsperioden bearbeitete der Beirat schwerpunktmäßig folgende Themen:

  • Erste Periode (2002 bis 2005): Globaler Klimaschutz, nachhaltiges Flächenmanagement, Abfallwirtschaft, erster Statusbericht zum Umweltplan.
  • Zweite Periode (2005 bis 2008): Nachhaltige Energieversorgung, Umsetzung des Umweltplans, Bildung für nachhaltige Entwicklung, energetische Nutzung von Biomasse, kommunale Lärmsanierung.
  • Dritte Periode (2009 bis 2012): Nachhaltige Siedlungsentwicklung, Umgang mit den Folgen der Globalisierung, Feinstaubbelastung, formale Nachhaltigkeitsprüfung von Landesvorhaben, Statusbericht 2011.
  • Vierte Periode (2012 bis 2015): Bildung, Ziele und Indikatoren, Energie und Klima, nachhaltiges Wirtschaften, Begleitung der Energiewende. Diese Periode fiel bereits in die Übergangsphase zum neuen Nachhaltigkeitsbeirat.

Mitglieder in der dritten Berufungsperiode (2009 bis 2012)

Den Vorsitz der dritten Berufungsperiode führte Prof. Dr. Dr. h.c. Ortwin Renn (Universität Stuttgart, Umweltsoziologie und Technikfolgenabschätzung). Stellvertretende Vorsitzende war Prof. Dr. Lenelis Kruse-Graumann (Universität Heidelberg, Umweltpsychologie).

Weitere Mitglieder waren:

  • Prof. Dr. Stephan Dabbert, Universität Hohenheim (Agrarökonomie)
  • Prof. Dr. Thomas Dyllick, Universität St. Gallen (Nachhaltigkeitsmanagement)
  • Dr. Peter Fritz, Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
  • Dr. Ulrich Höpfner, Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg (IFEU)
  • Prof. Dr. Giselher Kaule, Universität Stuttgart (Landschaftsplanung und Ökologie)
  • Prof. Dr. Dr. Hans Müller-Steinhagen, Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Stuttgart
  • Prof. Dr. Christine Neumann, Universität Göttingen
  • Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher, Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung (FAW/n) Ulm
  • Prof. Dr. Stefan Siedentop, Universität Stuttgart (Raum- und Umweltplanung)
  • Prof. Dr. Lutz Wicke, Europäische Wirtschaftshochschule Berlin (Umweltökonomie)

Gutachten und Stellungnahmen

Zwei Gutachten hatten formal die höchste Bindungswirkung: die Statusberichte zum Umweltplan Baden-Württemberg 2005 und 2011. Beide bewerteten die Zielerreichung des Umweltplans in den Handlungsfeldern Klima, Luft, Wasser, Boden, Naturschutz und Ressourcen. Der Statusbericht 2011 stellte Fortschritte bei Luftqualität und Abfallverwertung fest, benannte aber Defizite bei Artenvielfalt, Klimaschutz und dem anhaltend hohen Flächenverbrauch. Umweltminister Franz Untersteller nahm ihn am 26. Juli 2011 entgegen.

Aus der Gutachtenserie sind darüber hinaus einschlägig:

  • Neue Wege zu einem nachhaltigen Flächenmanagement in Baden-Württemberg (2003) - eines der ersten Landesgutachten, das den Flächenverbrauch als eigenständiges Nachhaltigkeitsproblem behandelte.
  • Globaler Klimaschutz - Möglichkeiten und Grenzen einer landespolitischen Klimastrategie (2002).
  • Nachhaltige Energieversorgung (2007).
  • Kommunale Lärmsanierung (Januar 2008).
  • Energetische Nutzung von Biomasse (April 2008).
  • Bildung für nachhaltige Entwicklung (Dezember 2008).
  • Globalisierungsgutachten zur Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie (2010, gemeinsam mit der Nachhaltigkeits-Doppelstrategie).
  • Stellungnahme zur Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsstrategie Baden-Württemberg (2011).

Die Gutachten wurden bis 2012 auf der damaligen Domain nachhaltigkeitsbeirat-bw.de frei zum Download angeboten. Nach Ablauf der Domain sind viele PDFs nur noch über Wayback-Snapshots oder bibliothekarische Archive (Digitale Landesbibliothek Berlin, ZDB) verfügbar.

Nachfolgestrukturen ab 2012

Mit dem Regierungswechsel 2011 wurde die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes neu aufgestellt. 2012 führte die Landesregierung die bis dahin getrennten Beteiligungsgremien - den wissenschaftlichen Nachhaltigkeitsbeirat und die Nachhaltigkeitskonferenz - im neuen Beirat der Landesregierung für nachhaltige Entwicklung (kurz: N!-Beirat) zusammen. Dem neuen Gremium gehören rund 39 Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Kommunen, Landwirtschaft, Gewerkschaften, Kirchen und Zivilgesellschaft an. Die frühere Rolle des reinen Wissenschaftsgremiums ging in dieser breiteren Zusammensetzung auf.

Die Landes-Nachhaltigkeitsstrategie wird seither zentral über das Portal nachhaltigkeitsstrategie.de dokumentiert. Zuständig für die operative Umsetzung ist das Staatsministerium Baden-Württemberg gemeinsam mit dem Umweltministerium.

Bezüge zum Forschungsverbund Stadt 2030

Der Beirat und der BMBF-Forschungsverbund „Stadt 2030“ arbeiteten in denselben Jahren an teilweise überlappenden Fragestellungen. Wo der Verbund kommunale und regionale Zukunftsbilder erarbeitete, formulierte der Beirat landespolitische Zielvorgaben - insbesondere zu Flächenverbrauch, Regionalisierung und langfristiger Planung. Drei Berührungspunkte sind besonders deutlich:

  • Beim Thema Regionalisierung analysierte der Verbund den Verband Region Stuttgart als einziges direkt gewähltes Regionalparlament Deutschlands. Der Beirat empfahl parallel, regionale Kooperation als Instrument der Flächensparziele stärker zu nutzen.
  • Bei der Planung der Zukunft stellten beide Institutionen fest, dass langfristige Leitbildarbeit einen eigenständigen Wert hat - auch dort, wo sie nicht in unmittelbare Umsetzungspläne mündet.
  • Der Beirat hat den demografischen Wandel in mehreren Gutachten als Querschnittsfrage der Nachhaltigkeitsstrategie behandelt. Der Verbund lieferte dazu mit den Verbundprojekten in schrumpfenden Städten empirisches Material.

Baden-Württemberg war im Forschungsverbund „Stadt 2030“ mit drei Standorten vertreten: Karlsruhe (trinationale Metropolregion Oberrhein), Stadtregion Stuttgart (Regionalverband als Modellfall) und Esslingen (Bürgerbeteiligung als Leitthema). Alle drei Projekte sind in ihren Ergebnisberichten auf die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes bezogen.

Weiterführende Quellen

Hinweis zur Seite: Diese Übersicht dient der bibliografischen Erschließung des zwischen 2002 und 2012 bestehenden Nachhaltigkeitsbeirats Baden-Württemberg. Die Domain nachhaltigkeitsbeirat-bw.de ist seit 2020 nicht mehr in Landeshand. Für die aktuelle Landes-Nachhaltigkeitsstrategie ist das oben verlinkte Portal des Landes zuständig.