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Saarland · Strukturwandel

Saarbrücken

Saarbrücken 2030 - Stadt im Fluss

Saarbrücken - Forschungsverbund Stadt 2030
Illustration mit KI auf Basis einer redaktionellen Vorgabe erstellt. Wahrzeichen sind erkennbar, das Bild ist keine dokumentarische Aufnahme.
Bundesland
Saarland
Stadtgröße
Großstadt
Schwerpunkt
Strukturwandel der Montanregion, Stadt-Fluss-Beziehung, nachhaltige Stadtentwicklung
Verbundpartner
Stabsstelle für nachhaltige und gesunde Stadtentwicklung (Angelika Kraus)
Federführend
Stabsstelle für nachhaltige und gesunde Stadtentwicklung
Laufzeit
2001 bis 2005

Worum es ging

Saarbrücken machte die Saar zum verbindenden Faden der Stadtentwicklung. Wie nutzt eine Stadt im Strukturwandel der Montanregion ihre Lage am Fluss? Der Verbund prüfte, was das praktisch heißt - für Stadtraum, Wirtschaft und Lebensqualität.

Das BMBF-Verbundprojekt „Saarbrücken 2030 – Stadt im Fluss” war im Forschungsverbund dem Handlungsfeld „Integration” zugeordnet und stand für den Typus einer mittelgroßen schrumpfenden Großstadt im Strukturwandel nach dem Niedergang der Montanindustrie – damit war es bundesweit das einzige Stadt-2030-Projekt, das den flusstopografischen Zusammenhang als Metapher und zugleich als konkretes städtebauliches Entwicklungsfeld verknüpfte.

Fragestellung, Leitbild und Akteure

Die Kernfragen des Projekts lagen im Dreieck von Verwaltungsreform, Sozialraumentwicklung und Flussraumgestaltung: Wie lässt sich in einer strukturschwachen Großstadt mit sinkender Einwohnerzahl durch eine Dezentralisierung von Verwaltung und Daseinsvorsorge die soziale Gerechtigkeit sichern? Wie kann ein grenzüberschreitend genutzter Naturraum – die Saar – als identitätsstiftendes Stadtentwicklungsprojekt aktiviert werden? Und welche Formen der Kooperation zwischen Verwaltung und Bürgerschaft im Stadtteil können entstehen? Das Leitbild „Stadt im Fluss” verknüpfte programmatisch die physische Stadtentwicklung entlang der Saar mit dem Bild einer im positiven Sinne im Umbruch befindlichen Stadt. Federführend war die Stabsstelle für nachhaltige und gesunde Stadtentwicklung der Landeshauptstadt Saarbrücken unter Angelika Kraus.

Besonderheiten gegenüber anderen Verbünden

Im Vergleich zu anderen Stadt-2030-Projekten war Saarbrücken das einzige Vorhaben, das grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Frankreich als inhärentes Planungsprinzip verfolgte und einen deutschen Stadtfluss als Leitbild-Träger in den Mittelpunkt stellte. Zudem war das Projekt besonders stark auf sozialräumliche Gerechtigkeit ausgerichtet: Die gleichberechtigte Teilhabe einkommensschwacher Stadtteile und eine dezentralisierte Verwaltungskultur als kommunale Demokratieinnovation bildeten eigenständige Forschungsstränge, die das Projekt über reine Städtebauplanung hinaushoben.

Konkrete Umsetzung: Vom Leitbild zum Freiraum

Die wirkungsmächtigste Umsetzungslinie des Verbundprojekts liegt in der Flussraumentwicklung entlang der Saar: Das 2008 vom Stadtrat beschlossene Freiraumentwicklungsprogramm, das 2009 folgende gesamtstädtische Stadtentwicklungskonzept und das städtebauliche Entwicklungskonzept von 2011 bauten aufeinander auf und integrierten die Saar als strategisches Rückgrat der Stadtentwicklung. Konkrete bauliche Manifestationen dieser Konzeptkette sind die Neugestaltung der Berliner Promenade (Wettbewerb 2006, umgesetzt mit 13,5 Millionen Euro unter EFRE-Kofinanzierung), die Sitzstufenanlage an der früheren Hafeneinfahrt, die Erschließung des Osthafens sowie der grenzüberschreitende Masterplan „Das blaue Band der Saar” (Interreg IV A, 2009/2010), der die Saarentwicklung von Sarralbe bis Völklingen kohärent planierte. Das Bundesforschungsprogramm ExWoSt bezog Saarbrücken zudem als Green Urban Labs-Projekt in eine aktuelle Modellphase zur klimagerechten Stadtentwicklung ein. Die Landeshauptstadt entwickelt derzeit den Verkehrsentwicklungsplan 2030 zum Mobilitätsplan 2040 fort und bearbeitet ein eigenständiges Klimaschutzkonzept als weitere Leitlinien.

Bevölkerungsentwicklung 2005 bis 2024

Der Rückgang der Einwohnerzahl, den das Verbundprojekt als zentralen Planungsrahmen akzeptierte und zu gestalten versuchte, hat sich in Saarbrücken fortgesetzt, wenngleich zuletzt mit verlangsamter Dynamik: Die Publikation „Saarbrücken in Zahlen 2024” der Landeshauptstadt weist Ende 2023/Anfang 2024 eine Wohnbevölkerung von 186.283 Einwohnern am Ort der Hauptwohnung aus, darunter 46.358 Nichtdeutsche (rund 24,9 Prozent). Dies entspricht dem überdurchschnittlich hohen Anteil ausländischer Bevölkerung in einer Grenzstadt mit starker Pendlerverflechtung nach Frankreich: Rund 6.160 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte pendelten 2023 täglich aus Frankreich ein. Die Einwohnerzahl hatte Ende 2025 nach Angaben des Statistischen Landesamts Saarland 182.859 Einwohner betragen. Gegenüber rund 181.000 Einwohnern im Jahr 2001 (dem Projektstart) und einem Tiefpunkt unter 180.000 Mitte der 2010er Jahre zeigt sich insgesamt eine relative Stabilisierung.

Aktuelle Herausforderungen: Vorweggenommenes

Das Verbundprojekt hat drei Problemlinien der heutigen Stadt präzise vorweggenommen: erstens die soziale Segregation zwischen einkommensschwachen Stadtteilen und besser situierten Quartieren, die ohne aktive stadtteilbezogene Sozialraumpolitik zunimmt; zweitens die Notwendigkeit, den Flussraum der Saar als öffentliches Gut zurückzugewinnen und damit Stadtqualität und Identität für alle Bevölkerungsgruppen zu stärken; drittens die Bedeutung grenzüberschreitender Kooperation mit Frankreich in einem Raum, der historisch und geografisch zusammengehört.

Nicht antizipierte Herausforderungen

Nicht vorweggenommen wurden die Tiefe der kommunalen Finanzkrise: Der städtische Haushalt 2024 wies Erträgen von 592,1 Millionen Euro Aufwendungen von 619,2 Millionen Euro gegenüber, bei einem kumulierten Schuldenstand von 734 Millionen Euro zum 31. Dezember 2023 – eine Verschuldungssituation, die alle strategischen Stadtentwicklungsprogramme unter Finanzierungsvorbehalt stellt. Die Transformation der saarländischen Automobilindustrie (Ford, ZF) und ihre Konsequenzen für Beschäftigung und Sozialstruktur wurden im Verbundprojekt in ihrem heutigen Ausmaß nicht antizipiert. Ebenso nicht vorweggenommen wurde der Klimawandel als eigenständige Planungspflicht mit Stadtüberhitzung, Starkregenereignissen entlang der Saar und der Notwendigkeit einer kommunalen Wärmeplanung – Themen, die inzwischen das Klimaschutzkonzept und den Mobilitätsplan 2040 der Landeshauptstadt als eigenständige Aufgabenfelder prägen.

Wichtigste Quellen